Viele Mäuse

Kater Kurt erklärt:

In diesem Jahr ist es wieder soweit: Die Feldmauspopulation hat ihr Maximum erreicht. Rund alle 3 – 4 Jahre* gibt es sogenannte Gradationsmaxima, bei denen besonders hohe Populationsdichten auftreten. In diesem Jahr sind nach meinen Beobachtungen selbst für ein Maximumjahr extrem viele Mäuse auf den Äckern. Wir haben darauf reagiert und besonders stark betroffene Flächen gepflügt. Dadurch werden die unterirdischen Gangsysteme der Mäuse zerstört.

Ein Profiteur der EU-Agrarpolitik: Kater Kurt jagt auf der Stilllegungsfläche

Ich persöhnlich profitiere dabei von einer Stilllegungsfläche die unmittelbar an unseren Hof angrenzt. Im Rahmen der EU-Agrarpolitik muss jeder Landwirtschaftsbetrieb 5 % seiner Ackerflächen stilllegen. Die Flächen werden aus der Produktion genommen, begrünt und müssen einmal im Jahr gemäht werden. Auf diesen ungenutzten Flächen fühlen sich die Mäuse besonders wohl, weil sie unter dem dichten Bewuchs Schutz vor Raubvögeln finden. Zur Begrünung eignen sich sowohl Gräsermischungen als auch Blühpflanzenmischungen. Aus Sicht des Wasserschutzes sind die Gräsermischungen zu bevorzugen, weil diese die Nährstoffe am zuverlässigsten speichern und verhindern, dass während der Stilllegungszeit z.B. Nitrat in das Grundwasser gelangt. Aus Sicht des Insektenschutzes sind natürlich Blühpflanzen zu bevorzugen. Hier gilt es, beiden Belangen gerecht zu werden.

Und ja es stimmt: Die Landwirte erhalten Geld für dieses „Nichtstun“. Pro Hektar Stilllegungsfläche werden von der EU rund 280 € gezahlt. Dieser Betrag relativiert sich aber, wenn man sich vor Augen führt, dass bei einer Bewirtschaftung der Fläche rund 1.600 € pro Hektar Umsatz gemacht werden könnten. Dieser Umsatz ist eigentlich auch notwendig, denn allein die betrieblichen Festkosten und die Flächenpachten betragen schnell -900 € pro Hektar. Im Gegensatz zu einer Bewirtschaftung fallen die variablen Produktionskosten bei der Stilllegung sehr gering aus. Denoch wird deutlich, das das „Nichtstun“ bei der Stilllegung ein Minusgeschäft ist.

*Quelle: HALLE, S. (1999): Massenvermehrungen und Populationszyklen der Microtinae – ein Überblick zum aktuellen Stand der Forschung. 2. Rodentizid-Symposium, Celle

Hallo, hier ist die Maus!

Die Maus ruft an
Kater Kurt erklärt:

Wenn bei meinem Chef das Telefon klingelt und eine Maus anruft, schrillen bei mir als Schadnager-Beauftragten natürlich die Alarmglocken.

Bei der Maus handelt es sich aber um eine Maschine die die Rüben auf dem Feld aufnimmt und über verschiedene Siebbänder auf Lkws verlädt und reinigt. Solch eine Spezialmaschine kann nur mit vielen Landwirten gemeinsam ausgelastet werden. Darum sind wir gemeinsam mit rund 220 anderen Landwirten in einer Maschinengemeinschaft, die Agrardienste Eichberg GmbH & Co KG, die insgesamt zwei Mäuse betreibt.

In einer weiteren Maschinengemeinschaft werden die Zuckerrüben-Roder gemeinschaftlich eingesetzt. Hier haben sich rund 100 Landwirte zusammen gefunden, um ihre Rüben von der Zuckerrübenrodegemeinschaft Elm-Asse-Huy GbR mit drei Rodern ernten zu lassen. Solch große Gemeinschaften funktionieren nur, wenn es klare Regeln und ein gutes Management gibt.

Eine Rüben-Verlade-Maus im Einsatz: Die Zuckerrüben werden vorne aufgenommen und über Siebbänder auf den Lkw verladen.

Problematisch ist, dass die Zuckerrüben nur eine begrenzte Zeit gelagert werden können. Die Zuckerfabrik verarbeitet die Rüben von Mitte September bis Mitte Januar also nur 4 Monate. In dieser Zeit muss die Fabrik kontinuierlich mit Rüben beliefert werden. Die Maus läuft in dieser Zeit im Mehrschichtsystem rund um die Uhr. Das Roden der Zuckerrüben erfolgt ebenfalls im Schichtsystem anfangs kontinuierlich nach dem Bedarf der Zuckerfabrik. Bis Mitte November sollten dann aber alle Rüben gerodet sein. Danach steigt das Wetterrisiko so stark an, dass ein sachgerechtes Roden schwierig wird. Die Zuckerrüben werden dann auf dem Feld in großen Mieten gelagert und mit einem Vlies abgedeckt, das ähnlich wie ein Pullover wirkt und die Rüben vor Frost schützt.

Gegenüber dem alten Rodesystem mit zweireihigen Rübenrodern, die vom Traktor gezogen wurden, liegen die Rodekosten beim 6-reihigen selbstfahrenden Rübenroder bei guter Auslastung rund 20 % niedrieger.

Fazit: Moderne Landwirtschaft funktioniert nur mit Kooperationen. Diese ermöglichen es, moderne Maschinen einzusetzen, die gemeinschaftlich ausgelastet und dadurch kostengünsitg betrieben werden können.

Warum werden die Reifen immer breiter?

Kater Kurt erklärt:

Es wirkt manchmal schon etwas beängstigend, wenn unsere Traktoren mit den breiten Reifen durch die Straßen rauschen. Inzwischen verfügen unsere Schlepper über Reifen, die teilweise 90 cm breit sind – und das auf beiden Seiten ergibt eine überfahrene Breite von 1,8 m. Bei einer Gesamtbreite von 3 m, sind das 60 % der Breite, die von den Reifen abgedeckt werden. Der Boden ist das wertvollste Gut eines Landwirtschaftsbetriebes. Diesen gilt es zu schonen. Bodenverdichtungen können vermieden werden, indem das Gewicht auf eine möglichst große Fläche verteilt wird.

Schlepper mit Breitreifen bei der Weizenaussaat

Dieselverbrauch sinkt
Ein weiterer Aspekt ist der Reifeninnendruck. Je niedriger der Reifendruck, desto geringer der Bodendruck. Ein Reifen mit wenig Druck, passt sich dem Boden an. Teilweise werden die breiten Reifen mit nur 0,7 bar gefahren. Durch den niedrigen Reifendruck, „macht der Reifen sich lang“, und mehrere Stollen greifen in den Boden. Die sogenannte Traktion, also die Übertragung der Zugkraft auf den Boden, steigt dadurch, so dass als zusätzlicher Effekt der Dieselverbrauch deutlich sinkt (z. B. FACHHOCHSCHULE SÜDWESTFALEN: -8 %).


Breitreifen mit 0,8 bar auf dem Acker: Der Reifen macht sich lang, so dass sich die Aufstandsfläche vergrößert und vier Stollenpaare in den Boden greifen.

Technische Entwicklung hat’s ermöglicht
Das dieser niedrige Druck gefahren werden kann, wurde erst durch die innovativen Entwicklungen bei der Reifenherstellung in den letzten Jahren möglich. Die Kunst ist es, einen breiten Reifen zu bauen, der mit geringem Druck auf dem Acker gefahren werden kann, aber auch den hohen Belastungen bei einer Straßenfahrt stand hält. Dieser Fortschritt ist nicht ganz billig: Für die komplette Bereifung eines Schleppers bezahlt man schnell einmal 20.000 €. Aber diese Investition lohnt sich. Bei der Fahrt auf dem Acker, wird das Gewicht gleichmäßig auf eine große Auflagefläche verteilt und die Belastung des Bodens vermindert. Außerdem werden diese Investitionen in Rahmen einer Maschinengemeinschaft geteilt.

Starke Bodenverdichtungen durch alten, schmalen Reifen mit 6 bar Reifeninnendruck

Auch bei den Anhängern,
die während der Ernte auf dem Acker fahren, nutzen wir breite Reifen. Früher verfügten übliche Anhänger über ein zulässiges Gesamtgewicht von 8 t, welches sich auf 21 cm breite Reifen verteilte. Diese Reifen mussten mit 6 bar gefahren werden. Heute verwenden wir einen Anhänger mit 18 t zulässigem Gesamtgewicht, die sich aber auf 57 cm breite Reifen verteilen und nur mit 2,5 bar gefahren werden können. Obwohl das Gesamtgewicht sich mehr als verdoppelt hat, verursacht dieser Anhänger deutlich weniger Bodenverdichtung.

Fazit: Die landwirtschaftlichen Geräte können leider nicht auf Samtpfoten laufen, so wie ich. Hier gilt: Je breiter die Reifen und je niedriger der Reifendruck desto geringer die Bodenbelastung!

Nitrat

Kater Kurt erklärt:

Landwirtschaft und organische Düngung sind fest miteinander verbunden. Erst die Düngung mit Mist in den letzten Jahrhunderten hat unseren Böden ihre Fruchtbarkeit verliehen. Besonders im ökologischen Landbau hat die organische Düngung einen hohen Stellenwert.

Wenn überdüngt wird, kann Nitrat aber in das Grundwasser gelangen. Deshalb können die Nitratwerte im Grundwasser ein Indikator für die Düngungsintensität in einer Region sein. Aber Vorsicht! Es gibt auch andere Gründe für hohe Nitratwerte: Der Grundwasserflurabstand, die Fließgeschwindigkeit und die hydrochemischen Bedingungen im Untergrund spielen ebenfalls eine Rolle (UMWELTBUNDESAMT). Schwer einschätzen lassen sich die Einträge aus den defekten Leitungen der öffentlichen und privaten Abwasserkanäle (UMWELTBUNDESAMT).

Quelle: NLWKN: Nitratgehalte an den Messstellen zwischen Ohrum und Schladen

Die Karte zeigt die Situation in unserer Region . Die Grundwassermessstellen des NLWKN weisen zwischen Ohrum und Schladen Nitratgehalte im Grundwasser aus, die überwiegend deutlich unter 10 mg/l liegen und damit als nicht oder nur geringfügig belastet gelten. Ein gewisser Nitratgehalt ist unvermeidbar, so dass selbst unter Wald vom UMWELTBUNDESAMT bei aktuellen Messungen im Mittel 13 mg/l festgestellt wurden. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 mg/l.

Hohe Nitratgehalte treten überwiegend in Regionen auf, in denen eine intensive Viehhalten vorherrscht. Dies ist in unserer Region nicht der Fall. Teilweise sind aber auch Regionen betroffen, die aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Verhältnisse von hohen Nitratwerten im Grundwasser betroffen sind. Dies ist z.B. im Bereich der Stadt Salzgitter der Fall. Trotz geringer Tierbestände weist das Grundwasser hohe Nitratgehalte auf (Hintergründe). Mit der neuen Düngeverordnung aus dem Jahre 2017 sind die gesetztlichen Vorgaben inzwischen so verschärft worden, dass es schwer fällt, Qualitätsweizen mit entsprechenden Eiweißgehalten zu produzieren. Den Erfolg werden wir in 3 bis 5 Jahren sehen: Dann wird das heutige Oberflächenwasser das Grundwasser erreichen.

Durch eine ausgewogene Düngung und dem Anbau von Zwischenfrüchten im Herbst wirken wir in unserem Betrieb der Nitratverlagerung entgegen. Die Zwischenfrüchte nehmen Nitrat aus dem Boden auf und verhindern so die Auswaschung über Winter in das Grundwasser. Im nächsten Frühjahr stehen die Nährstoffe dann den Zuckerrüben zur Verfügung.

Rapsaussaat 2019 – ein Lotteriespiel

Kater Kurt erklärt:

Die Rapsaussaat im Spätsommer 2019 gestaltet sich besonders schwierig. Die Böden sind ausgetrocknet, so dass zur Keimung Niederschlag erforderlich ist. Für Raps besteht nur ein schmales Zeitfenster von 15. August bis 10. September in dem in unseren Breiten eine Aussaat sinnvoll ist. Bei einer Aussaat vor dem 15 August würde der Raps mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Winter überwachsen und wäre besonders frostempfindlich. Nach dem genannten Zeitfenster wäre die Vorwinterentwicklung der Rapspflanzen wahrscheinlich nicht ausreichend.

Die folgende Tabelle zeigt die Niederschläge in unserer Region in den letzten Tagen. Die Wetterlager der vergangenen Tage war geprägt durch Gewitter. Diese sind nicht vorhersagbar. Es ist eher Zufall wo sie niedergehen. So hat es in Dorstadt insgesamt rund 3 mm, in Schladen (10 km südlich) rund 15 mm und in Roklum (15 km östlich) rund 53 mm geregnet.

tägliche Niederschlagsmengen Ende August in mm in unserer Region

Für die Rapsaussaat bedeutet dies: In Dorstadt reicht der Regen nicht für eine Etablierung der Rapsbestände aus. In Schladen war zumindest genug Wasser für die Keimung vorhanden. In Roklum war es unter Umständen so viel Regen auf einem Schlag, dass der Boden jetzt verschlämmt ist. Den keimenden Rapspflanzen gelingt es dann nicht, die Bodenoberfläche zu durchbrechen.


Bereits im August 2018 waren die Bedingungen zur Rapsaussaat für die vergangene Ernte 2019 ähnlich. Damals mussten viele Raps-Bestände wieder umgebrochen und mit einer anderen Kultur bestellt werden. Insgesamt war im vergangen Jahr der Rapsanbau in Niedersachsen um -27 % (NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK) gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. In diesem Jahr könnte sich diese Situation wiederholen.

Eine Weisheit besagt: “ Ein guter Rapsbestand bildet eine so dichte und stabile Schotenschicht aus, dass eine Katze vor der Ernte darauf laufen kann.“ Na, ob ich das noch einmal erlebe?

Pflug oder Pluglos?

Drehpflug mit Packer: Der Pflug wendet den Boden, der Packer sorgt für Rückverfestigung.
Kater Kurt erklärt:

Die Diskussion ob ein Pflug zur Bodenbearbeitung eingesetzt werden soll oder nicht, wird teilweise sehr emotional geführt. Das liegt daran, dass der Pflug das Symbol der Landwirtschaft ist: Erst durch die Erfindung des Pfluges in der Jungsteinzeit war der erfolgreiche Ackerbau möglich. Durch die Wendung des Bodens wird dieser gelockert und Unkraut- und Ungrassamen werden verschüttet, so dass die Kulturfrucht gute Startbedingungen hat. Der Nachteil des Pfluges ist, dass der Boden oft überlockert wird und dann mühsam wieder rückverfestigt werden muss. Außerdem verbraucht  das Pflügen sehr viel Diesel, erfordert die doppelte Arbeitszeit und Bodenerosionen können unter Umständen Vorschub geleistet werden.

Die Alternative: Konservierende Bodenbearbeitung
Die Alternative zum Pflügen ist der Einsatz eines Grubbers. Ein Grubber ist ein Bodenbearbeitungsgerät, das mit seinen Scharen den Boden durchreißt. Es wird häufig schon zur „flachen Stoppelbearbeitung“ (Arbeitstiefe 10-15 cm, 8 l Diesel/ha) eingesetzt. Dabei werden die Getreidestoppeln umgebrochen, damit sie im Boden zersetzt werden und Ausfallgetreide und Unkrautsamen keimen und beim nächsten Bodenbearbeitungsgang umgeworfen werden können. Mit dieser mechanischen Unkrautbekämpfung wird das Unkrautsamenpotential im Boden reduziert. Durch den tiefen Einsatz eines Grubbers (20-25 cm Bearbeitungstiefe, 15 l Diesel/ha) kann auf einen  Pflugeinsatz (25-30 cm Bearbeitungstiefe, mit Packer 25 l Diesel/ha) verzichtet werden. Der große Unterschied zum Pflug ist, dass der Boden nicht gewendet wird, sondern nur tief gelockert und gemischt wird. Das ist nach Ansicht der Pflugverzichter besser für das Bodenleben, weil dieses dadurch nicht durcheinander gerät. Außerdem verbleiben Pflanzenreste auf der Bodenoberfläche, so dass Bodenerosionen vermindert werden (siehe Beitragsbild).

Pflug mit Packer im Einsatz: Links gegrubbert, rechts gepflügt

Zwei Nachteile des Pflugverzichts: Einige Problemunkräuter wie z.B. Trespen können sich etablieren und müssen bekämpft werden. Außerdem werden Pilzkrankheiten, die auf den Getreidestoppeln überdauern, nicht beseitigt. Von ihnen kann im Folgejahr eine neue Infektion ausgehen. Tendenziell ist der Pflanzenschutzmittelaufwand beim konsequenten Pflugverzicht eher etwas höher als beim Pflugeinsatz.

Fazit
Es ist wie so oft: Reines Schwarz-Weiß gibt es nicht einmal auf meinem Fell! Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Wir pflügen deshalb nur einmal in der Fruchtfolge, also ungefähr alle vier Jahre. Auf tonhaltigen Böden wird auch ganz auf den Pflug verzichtet.  

Getreidelagerung

Kater Kurt erklärt:

Erst einmal vielen Dank für die vielen positiven Zuschriften, die ich in den letzten Wochen erhalten habe. Besonders die Komplimente über meine fotogene Seite haben mich sehr gefreut. 

Das Getreide kommt an den heißen Erntetagen oft mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius in das Lager. Bei diesen hohen Temperaturen können sich Getreideschädlinge wie Kornkäfer und Getreideplattkäfer rasant vermehren. Das Weibchen des Kornkäfer bohrt ein Loch in das Getreidekorn und legt ein Ei hinein. die Larvenentwicklung und Verpuppung finden innerhalb des Getreidekorns statt.* Wenn der Käfer das Korn verlässt, ist es ausgefressen und für die Ernährung nicht mehr zu gebrauchen. Diese Entwicklung des Getreidekäfers ist erst bei Temperaturen über 15 Grad möglich. Bei tiefen Temperaturen fällt der Käfer sogar in eine Kältestarre.

Bei einem ungebremsten Befall kann die ganze Partie unverkäuflich werden! Um die massenhafte Vermehrung der Käfer zu verhindern, muss das Getreide darum herunter gekühlt werden. Dies geschieht in unseren Betrieb mit Belüftungsgebläsen, die kalte Außenluft in den Getreidestapel drücken oder die warme Luft aus dem Stapel heraus saugen. Jetzt im Sommer ist die Belüftung am besten in den Morgenstunden möglich. Zu dieser Zeit ist die Außenluft kühl und führt zu einer Absenkung der Stapel-Temperatur. Die Abbildung zeigt den Temperaturverlauf eines Getreidelager im letzten Jahr bei regelmäßiger Kühlung. In den Wintermonaten wird dann mit Hilfe von frostiger Außenluft das Getreide abschließend auf unter 10 ° Celsius gekühlt.

Bei ordnungsgemäßer Lagerung ist das Getreide problemlos über viele Monate lagerfähig. Selbst in den Grabkammern der Pyramiden wurde noch Getreide gefunden. Solange wollen wir aber nicht lagern. Das letzte Getreide wird häufig im Juni des Folgejahres – also kurz vor der neuen Ernte – zur Mühle geliefert. 

Jetzt, wo die Ernte fast abgeschlossen ist, bin ich ziemlich im Stress und kurz vorm Burnout. Wichtig bei meiner Arbeit ist es, eine Etablierung von Schadnager im Getreidelager von Anfang an zu unterbinden. Darum bin ich momentan Tag und Nacht unterwegs und komme kaum zu Fressen. Außerdem meinen die Nachbars-Katzen, dass jetzt nach der neuen Befüllung der Getreideläger die Karten neu gemischt würden. Das ist aber mein Revier! Besonders Boris (Name aus rechtlichen Gründen verändert) versucht unentwegt eine feindliche Übernahme durchzusetzen. Was soll‘s, jede große Katze braucht auch ihre Nemesis. 

Quelle: * OBST, A. und V. PAUL: Krankheiten und Schädlinge des Getreides. Verlag Th. Mann, Gelsenkirchen 1993, S. 154 ff.

Erntebeginn

Kater Kurt erklärt:

Heute beginnt die Weizenernte. Die Abbildung zeigt den Erntebeginn für Weizen in unserem Betrieb in den letzten Jahren. Im Mittel der Jahre beginnt die Weizenernte am 27. Juli. Tendenziell hat sich der Erntebeginn nach vorne verschoben. Das ist aber wahrscheinlich nicht dem Klimawandel geschuldet. Vielmehr wurden Weizensorten gezüchtet, die früher reif sind. Falls eine Vorsommer-Trockenheit einsetzt, haben diese Sorten ihren Ertrag bereits ausgebildet, während spätreife Sorten stärker unter einer Vorsommer-Trockenheit leiden.

Erntebeginn bei Winterweizen in unserem Betrieb in den Jahren 1990 bis 2019

In diesem Jahr könnte diese Strategie auf gehen. Die erste Hitzewelle Anfang Juni hat sicherlich Ertrag gekostet. Ein weiterer Vorteil von einem frühreifer Sortenanteil im Betrieb ist, dass der teure Mähdrescher besser ausgelastet werden kann. Bei einer gesunden Mischung aus frühen und späten Sorten bleibt der Mähdrescher kontinuierlich mit reifen Früchten versorgt. Bei Weizen ist es ähnlich wie bei Bananen: Wenn er überreif wird, verschlechtert sich die Qualität. Weizen wird aber nicht matschig wie Bananen, sondern hier leidet die Backqualität. Diese kann bei überreifen Beständen sogar ganz verloren gehen.

Der Getreidehandel verlangst eine Feuchtigkeitsgehalt von maximal 14,5 % beim Getreidekorn. Ist die Feuchtigkeit höher als dieser Wert, werden Trocknungskosten abgezogen. In verregneten Sommern kann das eine teure Sache werden. Darum haben wir in unserem Betrieb die Möglichkeit einen Teil der Ernte zu trocknen. Am billigsten ist es natürlich wenn die Sonne das Getreide auf dem Feld trocknet. Allerdings werden Feuchtigkeitswerte unter 14,5 % nicht honoriert! Das heißt, wenn man zu lange wartet, wird das Getreide zu trocken und man hat schnell 3 % Ertrag verschenkt, weil das Wasser fehlt.

Die Ernteplanung ist dadurch ein schwieriges Unterfangen. Eine optimale Maschinenauslastung muss erreicht werden. Darunter darf aber die Qualität nicht leiden. Jetzt steigt die Spannung. „Die Getreideernte ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt“ (frei nach Forrest Gump). Mal sehen, ob die Mühen des letzten Jahres belohnt werden.

Blattlaus-Monitoring

Auf den Flächen der Bestkorn KG werden derzeit Untersuchungen des Julius-Kühn-Instituts (JKI) durchgeführt. Dabei werden wöchentlich die Populationsentwicklungen der Insekten in den Zuckerrüben untersucht.

Gefährlich für die Zuckerrüben sind vor allem die Grüne Pfirsichblattlaus, weil diese beim Saugen einen Virus übertragen kann, der zu starken Ertragsverlusten führt. Mit Hilfe der Untersuchung soll festgestellt werden, welcher Befallsgrad noch toleriert werden kann.

In den folgenden Grafiken sind die Befallshäufigkeiten der einzelnen Insekten dargestellt. Darunter versteht man den Anteil der Pflanzen, die von einer Gattung besiedelt sind.

Erosionsschutz

Kater Kurt erklärt:

Der Boden ist das wertvollste Gut eines Landwirtschaftsbetriebes. Diese wichtigste Produktionsgrundlage gilt es zu verbessern, z.B. durch den Aufbau von Humus. Genauso wichtig ist aber, dass der Boden bei starken Niederschlägen nicht weggeschwemmt wird und verloren geht.

Besonders gefährdet sind hängige Lagen, weil hier das Niederschlagswasser Geschwindigkeit aufnehmen und die Bodenteile mitreißen kann. Hier ist es wichtig, dass der Bodenkörper eine hohe Stabilität aufweist und Oberflächenverdichtungen unbedingt vermieden werden. Der Schlüssel für diese Faktoren liegt bei einer standortangepassten Bodenbearbeitung. Aber auch durch Humusaufbau kann der Boden stabilisiert werden.

Ein weiteres Kriterium ist die Bodenbedeckung. In unseren Breiten ist die Zuckerrüben besonders durch Bodenerosionen gefährdet. Die intensiven Niederschlagsereignisse im Mai treffen bei den Zuckerrüben auf relativ kleine Pflanzen, die eine ungenügende Bodenbedeckung aufweisen. Hier bittet das Stroh einer Zwischenfrucht Abhilfe. Wie das Bild zeigt, verhindert das Stroh der Zwischenfrucht ein ungehindertes Fließen des Niederschlagswassers.

Nachtrag 22.05.2019: Die Strategie ist aufgegangen. Die Erosionsschutzmaßnahmen aus stabilem Bodenkörper und Zwischenfruchtstroh hat selbst das intensive Gewitter am 20.05.2019 mit rund 50 mm standgehalten.