Die Getreideernte – eine Schachtel Pralinen

Kater Kurt erklärt:

„Die Getreideernte ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt.“ Diese Weisheit bewahrheitet sich wohl auch in diesem Jahr. Aufgrund der Niederschläge im Mai und Juni könnte man meinen, dass eine gute Ernte heran gewachsen sein müsste.


Erntetermine
Alljährig wird die Wintergerste als erste Frucht geerntet . Die Ernte beginnt meist um den 10. Juli, kann aber witterungsbedingt auch schon einmal am 30. Juni oder erst am 26. Juli beginnen (siehe Abbildung). Danach steht Weizen und Raps (um den 20 Juli) zur Ernte an. Die Ackerbohnen werden Mitte August und die Zuckerrüben ab Mitte September geerntet.

Der Beginn der Gerstenernte schwankt zwischen 30. Juni in 2018 und 26. Juli
in 2013.

Wintergerste
In der letzten Woche wurde die Wintergerste geerntet. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Gerste ein besonders hohes Korngewicht aufgewiesen hat, ist in diesem Jahr das Korngewicht sehr gering, so dass daraus – trotz vielversprechender Beständen – nur ein durchschnittlicher Ertrag resultiert. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Niederschläge im Mai/Juni zu spät für die Gerste kamen. Als es regnete, hat die Gerste schon mit der Abreife begonnen und konnte von dem Regen nicht mehr profitieren.

Der Beginn der Weizenernte variiert sehr stark: Im Jahre 2007 war der Beginn schon am 9. Juli und im Jahr 1996 erst am 19. August.


Winterweizen
Gleiches droht bei den Weizenbeständen, die zuerst reif sind. Abgesehen davon, dass kleine Körner zu einem schlechten Ertrag führen, sind sie bei den Mühlen nicht beliebt. Aus großen, schweren Körnern lässt sich pro Tonne Getreide mehr Mehl gewinnen. Deshalb werden preisliche Abzüge vorgenommen, wenn dieses Qualitätskriterium nicht erfüllt wird, oder eine Eignung als Backweizen sogar ganz abgesprochen. Das Korngewicht ist zum großen Teil aber witterungsabhängig (siehe diesen Beitrag) und nur schwer zu beeinflussen.

Ein weiteres Qualitätskriterium, das immer schwerer zu erfüllen ist, sind die geforderten Eiweißgehalte. Ein Backweizen muss einen Eiweißgehalt von mindestens 12 % erreichen. Der Eiweißgehalt des Weizens kann Rückschlüsse auf die Backqualität des später daraus gewonnenen Mehls geben. Weil Eiweiß aus Stickstoff besteht, hängt der Eiweißgehalt stark von der Stickstoffmenge ab, die gedüngt wird. Die Stickstoffdüngung ist aber durch die Düngeverordnung begrenzt. Auch hier drohen preisliche Abzüge für die Minderqualitäten bis hin zur Aberkennung der Backeignung und somit zur Einstufung als Futterweizen.

Beim Weizen könnte ein zusätzliches Problem Ertrag kosten: Die Pilzkrankheit „Schwarzbeinigkeit“ hat in diesem Frühjahr gute Infektionsbedingen vorgefunden und viele Pflanzen infiziert. Durch den Pilzbefall ist das Wurzelwachstum der Weizenpflanzen eingeschränkt gewesen. Es bleibt daher abzuwarten, welche Mengen und welche Qualitäten in den nächsten Tagen geerntet werden.

Fazit
So richtig zufrieden kann ein Landwirt also erst sein, wenn seine Ernte mit guten Erträgen und guten Qualitäten vom Feld geborgen und zu einem guten Preis verkauft worden ist. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg!