Wer ernährt die Welt?

Kater Kurt erklärt:

Die Weltbevölkerung wächst kontinuierlich. In der ersten Abbildung ist die Prognose der Vereinigten Nationen dargestellt.

In gleicher Weise steigt der Nahrungsbedarf. Auch wenn Weizen nicht das einzige Grundnahrungsmittel ist, wird in der folgenden Grafik exemplarisch die Entwicklung der weltweiten Weizenerzeugung dem Weizenverbrauch gegenübergestellt. Die Ernte 2018 hat den Verbrauch nicht abdecken können. Für die Ernte 2019 gehen die Prognosen der Welt-Getreiderats (IGC) davon aus, dass der weltweite Verbrauch knapp gedeckt werden kann.

Alles Öko, oder was?

2018 wurden in Deutschland rund 9 Prozent (UMWELTBUNDESAMT) der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet.

Bioprodukte machten in 2016 rund 5 Prozent (FOODWATCH) des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus.

Kater Kurt erklärt:

Könnte der Anteil auch auf 100 % gesteigert werden?

Dazu ein Beispiel: In Deutschland werden derzeit rund 23 Millionen Tonnen Weizen produziert. Die Produktion deckt damit in etwa den Bedarf Deutschlands. Bei einer ökologischen Produktionsweise gehen die Weizenerträge um rund 40 – 50 % zurück, d. h. bei gleichbleibender Nachfrage, müsste die fehlende Menge an Weizen importiert werden. Kein Problem, ein Handelsweisheit sagt: „Die Ware fließt immer zum Geld“. Weil Deutschland sehr wohlhabend ist, wird hier immer auch Ware zur Verfügung stehen. Aber bei der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung wird es an anderer Stelle fehlen.

Soziale Aspekte

Für die Herstellung von einem Hektar ökologisch erzeugten Zuckerrüben werden rund 150 Arbeitsstunden mit der Handhacke benötigt. Bei einer Anbaufläche von rund 30 ha Zuckerrüben wie in unserem Betrieb entspricht dies 4500 Arbeitsstunden, also fast 3 Arbeitskräfte pro Jahr. Die Arbeitskraft wird aber innerhalb eines engen Zeitraums von rund 4 Wochen benötigt. Deutsche Arbeitskräfte stehen für diese körperlich anstrengende Arbeit nicht zur Verfügung. Wer soll also diese Arbeit vollrichten? Und ist der Verbraucher bereit die daraus resultierenden Arbeitskosten sozial angemessen zu vergüten? Eventuell könnten in der Zukunft Roboter durch intelligente Lösungen die Handarbeit ersetzen. Praxisreife Lösungen gibt es aber derzeit noch nicht.

Ernährungsgewohnheiten müssen geändert werden

Eine gewissen Entlastung des Getreidebedarfs könnte erreicht werden, indem weitgehend auf Fleisch verzichtet würde. Ein Schwein benötigt rund 3 Kilogramm Futter für ein Kilogramm Gewichtszunahme. Die Futterverwertung von Rindern ist eher schlechter als bei Schweinen. Allerdings ist ein Vergleich nur schwer möglich, weil Rinder Wiederkäuer sind und so auch Grünland als Futtergrundlage nutzen können, welches zum Anbau von Getreide nicht geeignet ist. Ein Verzicht auf Rind- und Schweinefleisch, o.k. meinetwegen, aber lasst mir meine Mäuse!

Keine Konkurrenten sondern Ergänzung

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die klassische, konventionelle, landwirtschaftliche Produktion nicht in Konkurrenz zu der ökologischen Wirtschaftsweise steht, sonder beide Verfahren sich ergänzen.

Mehr zu dem Thema:

Spiegel, 14.11.2017: Kann Biolandbau die Menschheit ernähren?

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 31.10.2019: Flächendeckende Bio-Landwirtschaft wäre problematisch fürs Klima.

NATURE COMMUNICATIONS: The greenhouse gas impacts of converting food production in England and Wales to organic methods.

Dürre 2018

Kater Kurt erklärt:
Trockenschäden an Zuckerrüben

Die fehlenden Niederschläge im Jahr 2018 sind verheerend für den Ackerbau. Bis Ende August hat es im laufenden Jahr in Dorstadt insgesamt nur 228 mm geregnet. Gegenüber dem langjährigem Durchschnitt ist das ein Defizit -182 mm! Während bei der Getreideernte die betrieblichen Erträge nur rund 15 % unter dem mehrjährigen Durchschnittsertrag lagen, sieht es für die nun anstehende Ernte der Zuckerrüben düster aus. Hinzu kommt noch der Befall der Rübenmotte. Diese konnte sich durch die Trockenheit und Wärme stark verbreiten. Die Larven fressen Gänge durch den Rübenkopf. Dieser verfault anschließend und die Rübe ist nicht mehr zu verwerten.

Mein Chef klagt aber nicht. Er meint, dass so etwas auch zum landwirtschaftlichem Geschäft dazu gehört. Wenn man so wie ich quasi sein ganzes Leben in der Landwirtschaft tätig ist, weiß man: Es gibt gute Jahre und es gibt schlechte Jahre. Man darf solche Rückschläge nur nicht persönlich nehmen.

Klimawandel

Kater Kurt erklärt:

Der Klimawandel macht die Arbeit eines Landwirtes schwieriger. Auch wenn Donald Trump es leugnet, der Klimawandel ist bei uns angekommen. Die extremen Wetterereignisse haben auch in Dorstadt zugenommen. Auswertungen der Niederschlagsereignisse seit 1974 zeigen (https://www.dorstadt.de/niederschlag/):

  1. Es regnet seit Mitte der 80er-Jahre mehr. Die durchschnittlichen jährlichen Niederschlagssummen an unserem Standort sind seit dem um rund 60 mm gestiegen.
  2. Die Zunahme der jährlichen Niederschlagsmengen ist geprägt durch Starkregenereignisse. Es gibt immer häufiger Wolkenbrüche bei denen es 40 mm und mehr in wenigen Stunden regnet. Dieses Wasser kann wegen der Intensität  dann vom Boden nicht aufgenommen werden und fließt oberflächlich in die Gewässer.
  3. Gleichzeitig häufen sich die Extreme: Die Anzahl und Heftigkeit der Trocken- und Regenperioden nehmen zu. Während die Sommermonate 2017 und 2015 verregnet waren, weist das Jahr 2018 eine extreme Trockenheit auf.

Eine Möglichkeit um auf diese Veränderungen zu reagieren ist es, den Humusaufbau in den Böden und das Bodenleben zu fördern. Der Humus kann Wasser und Nährstoffe speichern  und sorgt dafür, dass Wasser in Trockenphasen gespeichert und bei Starkregenereignissen vom Boden aufgenommen werden kann.

Eine gute Möglichkeit um Humus aufzubauen ist die Ausbringung von Güte-Kompost.

Humusaufbau

Kater Kurt erklärt:

Durch die Förderung des Bodenlebens und den Aufbau von Humus im Boden kann der Boden „lebend verbaut“ werden. Dabei helfen können sämtliche Organismen, die in einem Boden vorkommen: Bakterien, Pilze, Insekten bis hin zu Regenwürmern. Werden diese durch organisches Material gefördert, kann erreicht werden, dass  die mineralischen Bestandteile des Bodens mit der Bodenflora und -fauna so verbunden ist, dass ein sehr stabiles Gefüge entsteht. Bestandteil davon sind z. B.  Regenwurmgänge die Niederschlagswasser abführen können und Humus, der Wasser und Nährstoffe speichern kann.

Ein interessanter Nebeneffekt: Durch den Humusaufbau wird CO2 im Boden gespeichert und der Klimawandel vermindert.

Der Humusaufbau bei der Bestkorn KG erfolgt durch;

  1. die Einarbeitung von Ernteresten wie Stroh,
  2. den Anbau von Zwischenfrüchten in Verbindung mit organischer Düngung und
  3. den Einsatz von Güte-Kompost aus dem nahegelegenen Kompostwerk in Bornum.

Integrierter Pflanzenschutz

Kater Kurt erklärt:

Beim integrierten Pflanzenschutz versucht man mit folgenden Faktoren den Pflanzenschutzeinsatz auf ein notwendiges Maß zu beschränken:

  • ackerbauliche Maßnahmen (z. B. Fruchtfolge)
  • Sortenwahl (z. B. resistente Sorten)
  • mechanische Bekämpfung (z. B. Bodenbearbeitung)
  • Förderung von Gegenspielern

Dies geschieht in unserem Betrieb z. B. durch die Anwendung von Schadschwellen: Erst wenn ein bestimmter Besatz an Schaderregern vorhanden ist, wird eine Maßnahme durchgeführt. Die Idee dahinter: Wenige Schädlinge führen zu keinen wirtschaftlichen Schäden, außerdem kann deren Auftreten oft durch die natürlichen Gegenspieler reguliert werden. So sind Marienkäfer und Schlupfwespen z.B. die natürlichen Feinde der Blattläuse. Mit Hilfe der Schadschwellenmethode wurde im Frühjahr 2018 aufgrund des überschaubaren Auftretens von Blattläusen im Weizen, vollständig auf ein Insektizideinsatz verzichtet.

Mit Hilfe von Gelbfangschalen wird der Zuflug von Schadinsekten ermittelt. Nur wenn die wissenschaftlich ermittelte Bekämpfungsschwelle überschritten wird, erfolgt eine Bekämpfung.

Der Einsatz von Fungiziden erfolgt mit Hilfe von intelligenten Prognosemodellen. Diese berücksichtigen die aktuellen Witterungsdaten an einem Standort und errechnen die individuellen Infektionswahrscheinlichkeiten für die jeweiligen Pilzkrankheiten. Die folgende Abbildung zeigt solch eine Prognose im Mai 2018. Die Pilzkrankheit Septoira tritici (S. tritici) benötigt intensive Niederschlagsereignisse damit die Pilzsporen mit Hilfe der Regentropfen von den unteren Blätter auf die oberen gespritzt werden können. Entsprechend sind die Infektionswahrscheinlichkeiten (rote Kästchen) bei dieser Krankheit nur nach intensiven Niederschlagsereignisse gegeben. Darüber hinaus muss ein Ausgangsbefall im Bestand vorhanden sein, bevor die Gefahr einer Ausbreitung im Bestand gegeben ist. Ein weiterer Aspekt dieser Methode: Je dichter eine Bekämpfungsmaßnahme zeitlich am Infektionsgeschehen erfolgt, desto weniger Wirkstoff braucht für den Bekäpfungserfolg eingesetzt zu werden.

Quelle: ISIP

Die Bienen sind da!

Die Bienenvölker haben jetzt ihre Arbeit bei der Bestkorn KG aufgenommen. Über 20 Völker bestäuben jetzt den Raps in Dorstadt. Vielen Dank an die Imker Kirsten Mandera und Oliver Schön für die gute Zusammenarbeit.

Nachtrag 20.07.2018: Die Bienen haben ganze Arbeit geleistet und einen vorzüglichen Raps-Honig produziert.

Hoffest mit Paul O’Brien

Kater Kurt: Heute war der Kanadische Sänger Paul O’Brien zu Gast, spielte bei unserem Hoffest ein unterhaltsames Konzert und schenkte uns einige dieser magischen Momente. Eingeladen waren Freunde, Nachbarn und Geschäftspartner.

Ich möchte mich hier noch einmal bei den Nachbarn  für Ihr Verständnis bedanken: Durch die langanhaltenden Regenperiode im Sommer, die späte Ernte und die Überschwemmung von Oker und Warne war der Weizen in der Ernte 2017 besonders staubig. Ich hoffe, die Fensterscheiben sind inzwischen wieder sauber.

Um ehrlich zu sein, war mir das etwas zu viel Trubel und zu laut. Darum habe ich mich in eine ruhige Ecke verzogen.

Herzlich Willkommen bei der Bestkorn KG!

Die Bestkorn KG ist ein Landwirtschaftsbetrieb im Landkreis Wolfenbüttel, bei Braunschweig. Der Schwerpunkt ist der Anbau von Zuckerrüben, Raps, Weizen und Gerste.

Kater Kurt: Hallo, mein Name ist Kurt. Weil Öffentlichkeits- und Pressesarbeit auch für Landwirtschaftsbetriebe wichtig ist, bin ich hier bei der Bestkorn KG neuerdings dafür zuständig. In diesem Zusammenhang erkläre ich hier im Internet Sachverhalte der Landwirtschaft. Allerdings füllt die Öffentlichkeitsarbeit in so einem kleinen Betrieb keine Vollzeitstelle aus. Deshalb fällt darüber hinaus noch die Schadnagerbekämpfung in meinen Zuständigkeitsbereich.